Context Card
Workflow-gebundene KI und frei handelnde Agenten
Was unterscheidet KI, die in einen definierten Arbeitsablauf eingebettet ist, von einem frei handelnden KI-Agenten?
Die kurze Antwort
Workflow-gebundene KI ist an einen Schritt eines bestehenden Verfahrens gekoppelt: Sie nutzt freigegebenes Wissen, übernimmt Rollen und Berechtigungen dieses Workflows und erzeugt eine Ausgabe mit definiertem Status, die eine benannte Person freigibt. Ein frei handelnder Agent erhält ein Ziel und wählt Weg, Werkzeuge und Quellen selbst; seine Grenzen müssen von außen durch Policy, Identität und Überwachung gesetzt werden. Beide brauchen verschiedene Dokumentation: die eine je Arbeitsschritt, die andere je Agent und je Berechtigung.
Für: Technische Redaktion und Betriebsverantwortliche in der Produktion
Das Wichtigste
- Workflow-gebundene KI erbt ihren Geltungsbereich aus dem Verfahren.
- Ein frei handelnder Agent erhält Grenzen nur aus Policy, Identität und Überwachung.
- Freigegebene Inhalte, Rolle, Qualifikation und Workflow-Status machen Vorschläge prüfbar.
- Jede Ausgabe braucht einen Status: Entwurf, Empfehlung, Prüfhinweis oder freigegebene Anweisung.
- Menschliche Freigabe zählt nur, wenn die Evidenz hinter der Ausgabe sichtbar ist.
Der Zusammenhang
Zwei Betriebslogiken
Im workflow-gebundenen Muster sitzen KI-Funktionen in einem bestehenden Verfahren: ein freigegebenes Dokument in eine strukturierte Arbeitsanweisung überführen, Änderungen an einem Verfahren kennzeichnen, einen aufgenommenen Nachweis mit einem Referenzbild vergleichen. Der Geltungsbereich kommt aus dem umgebenden Prozess — freigegebene Quellinhalte, Rolle und Qualifikation der Nutzerin, aktueller Workflow-Status, zu erzeugender Nachweis. Im freien Muster erhält ein KI-Agent ein Ziel, plant seine Schritte selbst und entdeckt Werkzeuge und Datenquellen eigenständig. Die Aufgabe selbst begrenzt ihn nicht, also müssen Policy, Identität, Netzwerkgrenze und Überwachung das tun.
Was die gebundene Variante prüfbar macht
Vier Kopplungen leisten die Arbeit. Freigegebenes Wissen: Als Quelle darf nur dienen, was freigegeben ist, und die Versionsfreigabe bleibt in der Ausgabe sichtbar. Rollen: Wer was sehen oder erzeugen darf, folgt dem vorhandenen Berechtigungsmodell und nicht einem eigenen KI-Modell. Workflow-Status: Ein Vorschlag erscheint an einem definierten Schritt, nicht im Leerraum. Nachweis: Eine Ausgabe, die eine erfolgreiche Prüfung behauptet, verweist auf Bild, Messwert oder Protokoll. Richtig wird die Ausgabe dadurch nicht — prüfbar wird sie, und das ist die Voraussetzung für Validierung und für wirksame menschliche Aufsicht.
Was in die Dokumentation gehört
Workflow-gebundene KI wird Teil der technischen Dokumentation des unterstützten Prozesses: je Schritt die zulässigen Quellen, die Eingangsdaten, die Ausgabeklasse (Entwurf, Empfehlung, Prüfhinweis, freigegebene Anweisung), die handlungsberechtigte Rolle und die Verantwortlichkeit für Prüfung, Freigabe und Ausführung. Dazu gehört die Versionierung von Prompts, Modellen und Vorlagen, damit später nachvollziehbar bleibt, welche Konfiguration ein Artefakt erzeugt hat. Anbieterangaben zu Mandantentrennung, Rechtevererbung oder menschlicher Verantwortlichkeit sind Ausgangspunkt für einen Abnahmetest in der eigenen Umgebung, nicht dessen Ergebnis.
Fragen, die sich daran anschließen
- Ist workflow-gebundene KI sicherer als ein Agent?
- Sie ist leichter prüfbar, was nicht dasselbe ist. Ein enger Geltungsbereich verringert die Zahl möglicher Aktionen; Ausgabequalität, Datenverarbeitung und Freigabedisziplin müssen dennoch in der Zielumgebung getestet werden.
- Können beide Muster in einem System vorkommen?
- Ja, und das ist üblich: eingebettete Funktionen für definierte Schritte plus ein freier Assistent für Recherche und Fehlersuche. Die Dokumentation sollte klar kennzeichnen, in welchem Modus ein Nutzer arbeitet und was dieser Modus darf.
- Was braucht eine freigebende Person mindestens?
- Die Ausgabe, ihren Status, die Quellen und Nachweise dahinter sowie die Möglichkeit, abzulehnen, ohne den Prozess zu blockieren. Ohne Quellen verkommt die Freigabe zum Klick.
Quellen
- Article 14: Human Oversight — EU Artificial Intelligence Act (artificialintelligenceact.eu), 5. Oktober 2026
- OWASP Top 10 for LLM Applications 2025 — OWASP Gen AI Security Project, 5. Oktober 2026
Prüfprotokoll und Änderungen
Jede Context Card wird vor der Veröffentlichung und bei jeder Änderung erneut anhand ihrer Quellen geprüft; das Datum unter der Autorenzeile ist die letzte Prüfung. Korrekturen (etwas war falsch) und Ergänzungen (etwas fehlte) stehen unten mit Datum und Uhrzeit (deutsche Zeit). Tippfehler, Formatierung und Link-Korrekturen werden nicht aufgeführt.
Geprüft
Seit der Veröffentlichung keine Korrekturen oder Ergänzungen.